Überlebensguide für die ersten Wochen mit HIT

Du hast vor kurzem die (Verdachts-)Diagnose Histaminintoleranz bekommen? Und jetzt? Verwirrt, deprimiert, verunsichert? Hundert Fragen, der Kopf raucht, der Bauch schmerzt, alles dreht sich?

„HIT was ist das überhaupt? Wie werd ich das wieder los? Ohje, hab ich das für immer? Nie mehr Schokolade??? HILFE! DAO, Liberatoren, biogene Amine… ich werd da niemals durchblicken… Was kann ich überhaupt noch essen?“

Nicht verzweifeln – hier kommen meine zehn Überlebenstipps:

  1. Durchatmen:
    Panik scheint angebracht – bringt dich aber nicht weiter. Wenn du noch nicht fähig bist einen kühlen Kopf zu bewahren, dann box dein Kissen K.O., zertrampel stapelweise Papierkartons oder schrei den Wettermann im Fernseher an. Jetzt durchatmen und dir klar machen: Ich komm da durch! Ich schaff das! Dieses Histamin kriegt mich nicht klein!
  2. VertrauteN einweihen:
    Triff deinen besten Freund, ruf deine Schwester an oder lade deine Katze zum 4-Augen-Gespräch. Lade Balast ab, denn geteiltes Leid ist halbes Leid.
  3. MitstreiterInnen finden:
    Du musst da nicht alleine durch, denn du bist nicht alleine mit dieser Histaminintoleranz. Online findest du einige Blogs, Foren und FB-Gruppen mit lieben Menschen, die dir mit Tipps und Tricks zur Seite stehen können. Offline siehts meist mau aus.
    (Neben den lieben Menschen treiben sich im Internet auch ein Haufen Spinner rum – speziell rund um Gesundheitsthemen. Nimm bitte nicht jede Information ungeprüft für bare Münze und schalte deinen gesunden Menschenverstand ein.)
  4. Informationen einholen:
    Wissen ist Macht – Macht über Symptome. Eine Histaminintoleranz ist wohl die komplexeste Nahrungsmittelintoleranz, die man sich so zulegen kann. Es dauert, es ist oft verwirrend und es sind unglaublich viele Informationen und Zusammenhänge.  Einen Einstieg findest du zum Beispiel auf histaminintoleranz.ch . Aber wenn du dir mal den Durchblick verschafft hast kannst du über diese Luschis mit Laktoseintoleranz nur müde lächeln: Du kannst den Drachen reiten 😉
  5. Positiv-Liste erstellen:
    Unweigerlich wirst du über verschiedene Listen stolpern (die sich oft gegenseitig widersprechen). Diese Listen sind voll von rot markierten „verbotenen“ Lebensmitteln und lassen dich wahrscheinlich schnell verzweifeln. Entscheide dich für eine Liste (ich persönlich präferiere die SGHI-Liste) und schreibe dir alle erlaubten Lebensmittel raus. Diese Liste wird sich über die Zeit immer mal wieder verändern. Manche Lebensmittel müssen vielleicht gestrichen werden und andere kommen hinzu. Wichtig ist nur: Konzentriere dich auf das was du essen kannst.
  6. Großeinkauf machen:
    Mit deiner Positiv-Liste gehst du jetzt richtig üppig einkaufen. Hast du erstmal einen ganzen Korb voll erlaubter Lebensmittel verflüchtigt sich auch dieses miese Ich-kann-ja-gar-nix-mehr-essen-Gefühl. Den Fertigfraß kannst du links liegen lassen und stattdessen möglichst frische und unverarbeitete Lebensmitteln kaufen. Lass dich nicht verarschen und check im Kleingedruckten die Zusatzstoffe – weniger ist mehr, gar keine ist perfekt!
  7. Befrei dich von Altlasten:
    Die Küche deprimiert dich? Kein Wunder, wenn dein Blick permanent auf Schokolade, Ketchup und Co. fällt. Werd den Kram los – gib es deiner Mutter, verschenk es an die Nachbarn oder packe einen Korb für foodsharing.de. Du brauchst Platz für Lebensmittel, die dir gut tun.
  8. Ernährungstagebuch führen:
    Es ist zeitaufwändig und nervt, aber sooooooooo aufschlussreich. Leg dir ein kleines Buch zu. Notiere alles was du gegessen hast und wann welche Symptome aufgetaucht sind. Geh ins Detail, manchmal sind es winzige Zutaten (bei mir z.B. der Pfeffer im Salatdressing) die fiese Symptome auslösen. Wichtig zu wissen: Symptome können zeitversetzt auftauchen (im worst-case auch 72 Stunden). Das ist echte Detektivarbeit, aber es bringt dich weiter und präzisiert deine persönliche Liste.
  9. Spaß am Kochen (wieder)finden:
    Wer braucht schon Dosenfutter, selbst gekocht schmeckt’s besser und du weißt genau was drin ist. Dir eröffnen sich nun unzählige Möglichkeiten mit den Zutaten deiner persönlichen Liste zu experimentieren. Du kannst neue Lebensmittel entdecken: Süßkartoffeln, Pastinaken, Muskatkürbis… Nie probiert? Jetzt wirds Zeit! Du kannst dir eine neue Welt erschließen und brauchst nur einen Topf, eine Pfanne und ein richtig scharfes Messer.
  10. Lass es dir gut gehen:
    Tue Dinge die dir Spaß machen. Triff dich mit netten Menschen. Erfülle dir deine Wünsche. Lerne neue Sachen kennen. Wenns deinem Kopf gut geht, geht es dem Körper oft auch besser! Es gibt auch ein Leben jenseits vom Essen – und falls nicht: Pack dir ne Bento-Box.

Du kannst den Drachen reiten!

Liebe Grüße, Elli

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6 Gedanken zu “Überlebensguide für die ersten Wochen mit HIT

  1. Den Spruch merk ich mir – ich kann den Drachen reiten. 😉 Die Tipps sind klasse, vor allem Punkt 10 ist sowas von wichtig.

    • Danke 😀 Punkt 10 hab ich mir auch schwer erkämpft. Wenn man nicht aufpasst gerät man einfach schnell in eine Abwärtsspirale aus Infos zusammensuchen, Symptome protokollieren, Krankengeschichten lesen, kritsch jedes Bauchmurren beobachten (…) und dann endet es mit einem diffusen Unwohlsein schon VOR jedem Essen.

  2. Also ich hab keine HIT und les hier nur, damit ich mehr darüber erfahre, um einen lieben Menschen zu unterstützen und damit ich mir selbst ab und zu in den Hintern trete, was man doch alles tolles kochen kann 😉
    Dein Text klingt nicht nur nach Überlebenstipps, sondern auch nach ner großen Rettung aus der HIT-Miesepeterhöhle. Solch einen Text könnte ich vor wichtigen Prüfungen gut gebrauchen!!! 🙂
    Ich wünsche allen HITlern im Laufe der Zeit mehr Toleranz und trotz allem eine Zeit mit vielen positiven Erlebnissen!

    Liebe Grüße an Elli,
    von Melli

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